Timing beim Investieren?

Timing beim Investieren?

by Lukas China

Generell gibt es die Möglichkeit, in Geldwerte und/oder in Sachwerte zu investieren. Geldwerte stellen Währungen dar, wie bspw. der Euro. Währungen dienen dabei als Zahlungsmittel für Vermögenswerte, Güter und Dienstleistungen. Geldwerte sind demnach u.a. als Bargeld, auf Sichteinlagen (Konto, Tagesgeld, Sparbuch, Festgeld etc.) und als Anleihen (Schuldverschreibungen) vorzufinden. Geld hat dabei nur durch das Vertrauen als Zahlungsmittel einen Wert.

Dagegen steckt beim Sachwert, wie der Name schon ausdrückt, eine Sache bzw. Gegenstand hinter dem Wert (z.B. eine Unternehmensbeteiligung/Aktie, ein Rohstoff, eine Immobilie, ein Gemälde, Lebensmittel etc.). Sachwerte können demnach im Gegensatz zu den Geldwerten nicht x-beliebig vermehrt werden. Notenbanken können jedoch x-beliebig Geld drucken bzw. kann Giralgeld in Form von Sichteinlagen bei Kreditinstituten aus dem Nichts geschaffen werden. Sachwerte sind somit inflationsgeschützt.

Dies bedeutet nicht, dass man keine Geldwerte besitzen sollte. Ein Portfolio aus Geldwerten und Sachwerten ist ratsam. Geldwerte sind vor allem für den kurzfristigen Zeithorizont für Liquidität und für das Nachinvestieren wichtig. Dagegen sind Sachwerte, vor allem Vermögenswerte wie Aktien und Immobilien, für den langfristigen Zeithorizont angedacht. Gründe hierfür sind der Inflationsschutz (siehe Artikel: Warum Sie Inflation auf dem Schirm haben sollten) und die Schwankung ihres Wertes, welches ein Risiko darstellen kann, vor allem wenn man kurzfristig Liquidität braucht.

Allerdings häufen private Haushalte immer mehr Geldwerte an, wie in nachstehender Abbildung veranschaulicht wird.

 

Bargeld und Sichteinlagen der privaten Haushalte in Deutschland             Quelle: statista.com

 

Auf die lange Sicht vermindert die Inflation die Kaufkraft des Geldes (siehe Artikel: Warum Sie Inflation auf dem Schirm haben sollten). Daher macht es wenig Sinn, sein Geld über Jahre auf einem Konto zu parken oder als Bargeld zu horten. Vor allem nicht in dem derzeitigen Niedrigzinsumfeld, wo der Leitzins in der Eurozone 0 % beträgt und somit die Inflation deutlich höher als die Zinsen sind.

Sachwerte machen, wie bereits beschrieben, dagegen vor allem für den langfristigen und weniger für den kurzfristigen Anlagehorizont Sinn, da ihr Wert schwanken kann. Sowohl die Preise der Aktienmärkte als auch der Immobilienmärkte steigen oder fallen nicht linear, sondern schwanken um einen Aufwärts- bzw. Abwärtspreistrend. Mal sind die Preise überhitzt, mal sind sie unterbewertet. Diese Zyklen stehen oftmals in Korrelation mit den Volkswirtschaftszyklen. Die Volkswirtschaft bzw. das Bruttoinlandsprodukt in bspw. Deutschland erhöht sich auch nicht linear, mal ist sie in einem Boom (überhitzt), mal in einer Rezession. Aber auf der langen Sicht steigt unsere Volkswirtschaft (durch technologischen Fortschritt etc.). So verwundert es auch nicht, dass der langfristige Preistrend von Unternehmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell positiv ist. Wenn diese Unternehmen auf Dauer keine Gewinne machen würden, könnten sie keine Löhne zahlen und Innovationen würden ausbleiben. Die Volkswirtschaft eines Landes wäre so dem Niedergang geweiht.

In nachfolgender Abbildung kann man den Aufwärtstrend der 500 größten börsennotierten Unternehmen aus den USA im Aktienindex S&P 500 nachverfolgen.

 

S&P 500 Kursindex   Quelle: macrotrends.net

 

Man kann erkennen, dass die Preise für amerikanische Unternehmensanteile seit den letzten 90 Jahren insgesamt stark gestiegen sind. Dabei kennzeichnen die grauen Balken Rezessionen der amerikanischen Wirtschaft. Die letzte größere Krise bzw. Rezession fand demnach 2008 mit der Finanzmarktkrise statt. Hier haben die Preise der amerikanischen Aktien dementsprechend auch korrigiert. Ein „Crash“ ist demnach im langen Zeithorizont eine Korrektur, in der man günstig Aktien am Markt erwerben kann. Daher ist es auch sinnvoll, Liquidität für günstiges Nachinvestieren in seinem Portfolio zu besitzen.

Dies gilt nicht nur für den amerikanischen Markt, sondern man kann dies im Verlauf des deutschen Marktes genauso nachverfolgen. In nachfolgender Grafik ist der Verlauf des Dax mit seinen 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland seit Anfang der 1970er Jahre wiedergegeben.

 

DAX Performanceindex         Quelle: tradingview.com

 

Ähnlich wie beim Verlauf des amerikanischen Aktienmarktes sind „Crashs“ im langfristigen Zeitfenster Korrekturen, die günstige Einstiegsgelegenheiten bieten können.

Demnach liegt das Risiko einer Anlage in Einzelaktien, Aktienfonds, Indexfonds (ETFs) etc. vor allem in einem kurzen Anlagehorizont. Je länger der persönliche Anlagehorizont ist, desto geringer ist das Risiko durch kurzfristige Schwankungen gegeben.

Aktienmärkte bieten trotz ihrer Schwankungen auf die lange Sicht sehr gute Renditen, wie man in der nächsten Abbildung nachverfolgen kann. Es werden hierbei die jährlichen Renditen des DAX von 1982 bis 2017 aufgezeigt.

 

DAX-Renditen         Quelle: boerse.de, eigene Darstellung

 

Trotz einzelner Korrekturjahre konnte der DAX durchschnittlich in den letzten 36 Jahren um 12,51 % jährlich zulegen.

In der nachfolgenden Grafik kann man einsehen, welche enorme Wirkung hierbei der Zinseszinseffekt auf die lange Frist hat.

 

Zinseszinseffekt        Quelle: godmode-trader.de

 

Wegen des Zinseszinseffektes kann man innerhalb von 70 Jahren 1000 Dollar zu zwei Millionen Dollar vermehren. Hierbei reicht eine durchschnittliche Performance eines Wertpapiers, Fonds etc. von ca. 11,5 % aus.

Um langfristig die durchschnittliche Rendite zu erhöhen, bietet sich neben dem günstigen Nachinvestieren in Korrekturphasen parallel auch ein kontinuierliches Investieren bspw. in Form eines monatlichen Sparplans an. Hierbei wird das Risiko eines ungünstigen Einstiegs am Markt mit einer Einmalinvestitionsanlage reduziert, da kontinuierlich Anteile zu verschiedenen Preisen erworben werden.

Dieser Effekt, auch Cost-Average-Effekt genannt, wird im folgenden Schaubild dargestellt.

 

Quelle: Fidelity

 

In dem Rechenbeispiel wurden zu fünf verschiedenen Zeitpunkten jeweils 100 € investiert. Der Anteilspreis eines Basiswertes hat sich in diesem Zeitraum zwischen 50 € und 150 € bewegt. Am Anfang und am Ende lag der Anteilspreis bei 100 €. Anstelle von 500 € ist die Investition am Ende jedoch 566 € wert, da während des Zeitraumes günstiger Anteile erworben werden konnten.

Neben dem deutschen Aktienmarkt ist aber auch der deutsche Immobilienmarkt auf der langen Frist gestiegen. In der folgenden Abbildung kann man die Entwicklung segmentübergreifend (Eigentumswohnungen, Reihenhäuser, Wohnungsmieten, Baugrundstücke, Einzelhandelsmieten, Büromieten) erkennen.

 

Quelle: Bulwiengesa

 

Dabei ist zu erwähnen, dass sich Wohnimmobilien deutlich besser entwickelt haben als Gewerbeimmobilien. Beide Segmente bilden in den Werten der Grafik einen Durchschnitt.

Für einzelne deutsche Städte stellen sich die Veränderungsraten im Durchschnitt für alle Immobiliensegmente seit 1975 wie folgt dar:

 

Quelle: Bulwiengesa

 

Zusammenfassend kann man sagen, dass ein Portfolio Geldwerte und Sachwerte beinhalten sollte. Schnell liquidierbare Geldwerte können bei Marktkorrekturen am Aktienmarkt oder von anderen Sachwerten günstige Nachinvestitionsmöglichkeiten darstellen. Umgekehrt macht es aber auch Sinn, bei starken Preisübertreibungen bspw. am Aktienmarkt, Gewinnmitnahmen zu tätigen. Gemäß dem Motto von Investmentlegende Warren Buffett:

„Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.“

Darüber hinaus sollte ein Portfolio gemäß dem Diversifikations- und Risikogedanken auch aus verschiedenen Anlageklassen bzw. Sachwerten bestehen. Neben Aktien und Immobilien kann man hier bspw. Rohstoffe und physische Edelmetalle nennen.

Während Aktien, Aktienfonds, Indexfonds etc. börsentäglich jederzeit gekauft oder veräußert werden können, ist dies bei einer Immobilie nicht so einfach und auch nicht empfehlenswert. Dafür bietet die Kapitalanlageimmobilie je nach Standort und Segment meist eine sichere Mietrendite, die monatlich einen stetigen Liquiditätszufluss darstellen kann.

Falls der Aktienmarkt in einer stärkeren Korrekturphase überverkauft sein sollte, macht es eher Sinn hier günstig nach zu investieren als Anteile zu veräußern. Infolge der Schwankungen sollte daher eine Investition am Aktienmarkt immer ein langfristiges Investment sein. Voraussetzung für das Nachinvestieren ist natürlich, dass es sich um Unternehmen mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell handelt, die auf einem zukunftsträchtigen Markt agieren. In nicht-profitable Unternehmen, Branchen etc. ständig nach zu investieren, kann sich schnell als Fass ohne Boden erweisen.

Daher sollte auch innerhalb einer Anlageklasse eine Investition gestreut werden. Zum Beispiel kann man bei Aktien in verschiedene Märkte, Branchen, Länder, Unternehmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell etc. investieren. Bspw. bei Immobilien als Kapitalanlage würde es mehr Sinn machen, nicht nur an einem Standort, sondern an verschiedenen zukunftsträchtigen und wachstumsstarken Standorten Immobilien zu erwerben. Die Errichtung einer Chemiefabrik oder ein negativer demografischer Wandel könnte nämlich zu fallenden Immobilien- und Mietpreisen oder gar Leerstand führen.

Insgesamt sollte man sich jedoch immer mit seiner Investitionsanlage wohl fühlen. Dazu gehört auch, dass die Anlage für einen transparent ist und man deren Chancen und Risiken nachvollziehen kann. Somit kann man sie dann auch mit seinem individuellen Risikoprofil und Anlagehorizont abgleichen.

„Investiere nie in ein Geschäft, welches du nicht verstehen kannst.“ – Warren Buffet

 

 

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Bildquelle: Pexels.com

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