Das Dauerthema ETF vs. Aktiv

Das Dauerthema ETF vs. Aktiv

by Lukas China

In der derzeitigen Niedrigzinslandschaft sind vor allem Aktien gefragt. Allerdings haben die wenigsten Investoren Zeit, sich ein diversifiziertes Portfolio mit Einzelaktien aus verschiedenen Märkten, Regionen, Branchen, Währungen etc. aufzubauen. Daher machen aus unserer Sicht Fonds, die gestreut in verschiedene Aktien bzw. Unternehmensanteile investieren, Sinn.

Dies kann über ein Fondsmanagement bei einem aktiv gemanagten Aktienfonds geschehen oder durch die reine Abbildung eines Indexes über einen passiven Indexfonds. ETFs können zwar Indizes abbilden, aber sie können auch aktiv eine eigene Handelsstrategie verfolgen. Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds (Exchange Traded Funds) und nicht automatisch ein Indexfonds. Der Unterschied zu einem aktiven oder passiven Fonds ist die stetige Verfügbarkeit von Kursen an der Börse, während man bei Kauf oder Verkauf von Fonds direkt über die Fondsgesellschaften meist nur den Vortageskurs einsehen kann. Bei ETFs zahlt man zwar keinen Ausgabeaufschlag, allerdings kann der Unterschied zwischen den An- und Verkaufskosten – der sog. Spread – wie ein Ausgabeaufschlag wirken.

In der Folge geht es nun nur um den Unterschied zwischen aktiv gemanagten Fonds und ETFs mit einem passiven Management, die den jeweiligen Index 1 zu 1 hinsichtlich seiner enthaltenen Unternehmen und ihrer Gewichtung abbilden.

Bei beiden Arten ist es ratsam, darauf zu achten, dass der Fonds auch wirklich die jeweiligen Aktien physisch besitzt. Hier gibt es auch Varianten, in denen Aktien über Swaps, Derivate etc. abgebildet werden. Bei diesen synthetischen Replikationsmethoden kann grundsätzlich immer die Gefahr bestehen, dass ein Vertragspartner (z.B. ausgebende Bank) ausfällt.

Bei einem passiven ETF bekommt der Anleger stets die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Indexes. Bei einem aktiv gemangten Aktienfonds könnte dagegen das Fondsmanagement nur wirtschaftlich starke Unternehmen und Branchen in ihren Fonds aufnehmen bzw. übergewichten. Somit wären rein theoretisch aktive Aktienfonds im Vorteil gegenüber dem Index bzw. dem zugrundeliegenden ETF. Allerdings zeigt die Praxis, dass der Großteil der aktiven Aktienfonds ihre jeweilige Benchmark (Index) vor allem in effizienten Märkten renditemäßig oftmals nicht übertreffen können. Hier sind vor allem die globalen und nordamerikanischen großen Indizes zu nennen, die hauptsächlich aus großen Unternehmenstiteln (Blue Chips) wie Alphabet, Apple, Microsoft etc. bestehen. In diesen weltweit stark begutachteten Märkten fällt es aktiven Managern meist schwer, einen Informationsvorsprung zu generieren, der in einer Überrendite münden könnte. Zudem fallen die höheren Verwaltungskosten für ein aktives Fondsmanagement ins Gewicht.

Allerdings gibt es auch Märkte, wo aktive Aktienfonds eine deutliche Überrendite gegenüber ihren jeweiligen Indizes bzw. ihren zugrundeliegenden ETFs erzielen konnten. Hier sind vor allem die Emerging und Frontier Markets (Schwellenländer und Schwellenländer der Zukunft) sowie Märkte für Nebenwerte, bestimmte Themen (Internet of Things, Robotik, Digitalisierung, Industrie 4.0 etc.) und spezielle Branchen zu nennen. Hier kommt es vor allem auf die Qualität und Erfahrung des Fondsmanagers an. Zudem werden einige Nischenmärkte von passiven ETFs noch gar nicht abgedeckt.

Wie wichtig die Qualität des Fondsmanagers ist, Zukunftstrends frühzeitig zu erkennen und darauf auch flexibel reagieren zu können, haben die vergangenen Jahre gezeigt. Viele aktive Fondsmanager haben die starke Entwicklung der Plattformen vor allem in den USA verschlafen. Plattformen der Technologiewerte wie bspw. Alphabet (Google), Amazon, Facebook und Microsoft sind das überlegene Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft. Demnach haben sich auch deren Börsenkurse deutlich besser entwickelt als die von anderen Aktien, wie man in der folgenden Grafik erkennen kann.

 

Quelle: netzoekonom.de

 

Der Plattform-Index umfasst die Werte: Alphabet, Alibaba, Microsoft, Facebook, Amazon, Tencent, Sina, PayPal, Dropbox, Netflix, Weibo, Booking, Naspers, Baidu und Naver. Sie sind in dem Index mit ihrer jeweiligen Marktkapitalisierung gewichtet. Im Vergleich zu Dow Jones, Nasdaq Composite und Dax konnten sich die Plattformunternehmen in den letzten Monaten und Jahren deutlich besser entwickeln.

Durch ihre mittlerweile sehr hohe Marktkapitalisierung sind sie dementsprechend auch stark in den globalen und nordamerikanischen Indizes und somit auch in deren passiven ETFs vertreten.

Welche Ausmaße dies mittlerweile angenommen hat, kann man den folgenden Schaubildern entnehmen.

 

Quelle: netzoekonom.de

 

Anhand der Grafik kann man gut erkennen, wie Europa diesen Megatrend verpasst hat. Lockerere Rahmenbedingungen in den USA hinsichtlich Datenschutz, Steuermodelle etc. und staatlicher Protektionismus (China verbietet Plattformen wie Google und Facebook) haben ihren Anteil daran.

Während vor allem in den globalen und nordamerikanischen Indizes passive ETFs von der hohen Marktapitaliserung bzw. Gewichtung dieser Unternehmen profitieren konnten, sieht das in Europa anders aus. Hier haben viele aktiv gemanagte Aktienfonds die Nase vor den jeweiligen Indizes wie Euro Stoxx 50 oder Stoxx Europe 600. Hier ist die Gewichtung von Finanztiteln noch sehr prägnant. Diese haben sich allerdings in Folge der Finanzmarktkrise erwartungsgemäß nicht besonders gut entwickelt. Viele Manager haben dies frühzeitig erkannt und sie in ihren Fonds deutlich untergewichtet. In den USA dagegen haben sich die Finanztitel nach der Finanzmarktkrise deutlich besser entwickelt. Daher sind Indizes bzw. passive ETFs auf amerikanische und somit auch globale Nebenwerte oftmals besser gelaufen als aktive Aktienfonds in diesem Segment. Aktive Fondsmanager hatten sie eher weniger berücksichtigt gehabt.

Die entscheidende Frage stellt sich natürlich nun, inwieweit sich passive ETFs im Vergleich zu aktiven Fonds zukünftig entwickeln werden. Die Technologiewerte haben vor allem durch ihre Plattformen exorbitante Renditen erzielt und somit über ihre hohe Marktkapitalisierung die globalen und nordamerikanischen Indizes getragen. Die Kapitalströme auf nur wenige große Werte hat einen so großen Ausmaß angenommen, dass allein die 3 großen Tech-Giganten Google, Facebook und Apple einen fast doppelt so hohen Marktwert haben wie die 30 größten deutschen Unternehmen zusammen, wie die nachstehende Grafik aufzeigt.

 

Quelle: AllianceBernstein

 

Bisher haben in den positiven wirtschaftlichen Jahren diese Kapitalströme die Kursentwicklung jener großen Technologiewerte verstärkt. Allerdings hat uns historisch die Börse bisher gelehrt, dass überzogene Kursentwicklungen in Boom-Phasen später zu hohen negativen Kursentwicklungen in Baisse-Phasen geführt haben (bspw. Dotcom-Blase Anfang 2000).

Wenn man bspw. einen passiven ETF auf den S&P 500 erwirbt, sollte man sich aus unserer Sicht bewusst sein, dass man mittlerweile allein zu ca. 25% in den großen Unternehmen der Technologiebranche investiert ist, wie nachfolgende Grafik anzeigt.

 

Quelle: us.spindices.com

 

Wir sehen daher bei den Nebenwerten außerhalb der großen Indizes ein besseres Chance/Risiko Verhältnis. Normalerweise sind kleinere Unternehmen (Small Caps) deutlich schwankungsreicher in ihrer Wertentwicklung. In positiven Börsenzeiten sind sie historisch bisher stärker gestiegen und in negativen Börsenzeiten dafür auch stärker gefallen. In der nachstehenden Grafik kann man aber erkennen, dass die großen Unternehmen (Large Caps) des S&P 500 Anfang des Jahres deutlich volatiler waren als die Small Caps im breiteren Index Russell 2000.

 

Quelle: godmode-trader.de

 

Die Schwankungsbreite des S&P 500 ist in der Marktkorrektur der letzten Wochen um 20 % größer als die des Russell 2000. Das Risiko von Large Caps ist zurzeit im Verhältnis zu den Small Caps aus unserer Sicht somit deutlich höher. Der Grund könnte, wie bereits oben erwähnt, an den überzogenen Marktbewegungen der großen Technologiewerte liegen. Zurzeit lässt sich beobachten, dass bei fallenden Kursen bzw. Gewinnmitnahmen diese dafür umso stärker an Wert verlieren. Je größer die Nachfrage nach passiven ETFs auf die großen Indizes ist, desto größer wird wiederum die Marktkapitalisierung jener Technologieunternehmen. Wenn in einer möglichen größeren Korrektur oder Crashszenario die Marktteilnehmer ihre ETFs wiederverkaufen sollten, werden demzufolge auch die Unternehmen in den abgebildeten Indizes vermehrt fallen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass aktiv gemanagte Aktienfonds vor allem auf den globalen und nordamerikanischen Märkten oft das Nachsehen bezüglich der Wertentwicklung gegenüber ihrer Benchmark (Index bzw. zugrundeliegender passiver ETF) hatten. Dies lag vor allem an der starken Kursentwicklung der Technologiewerte bzw. Plattform-Unternehmen, die eine hohe Gewichtung in den Indizes haben. Anfang des Jahres sind diese Werte allerdings in der bisherigen Marktkorrekturphase durch Gewinnmitnahmen auch umso stärker gefallen. Sollte sich die Korrektur in den nächsten Monaten ausweiten, wäre es denkbar, dass die großen Technologiewerte somit auch stärker als der Gesamtmarkt fallen. Demzufolge würden passive ETFs auf große Indizes wie MSCI World oder S&P 500 davon stärker betroffen sein als manche Aktienfonds, die jenen Technologieunternehmen nicht eine so große Gewichtung beimessen. Während passive ETFs gegenüber den aktiven Aktienfonds vor allem in Nordamerika und global sowohl bei den Large als auch bei den Small Caps oftmals überlegen gewesen sind, ist dies in Europa und in den Schwellenländern bisher umgekehrt zu beobachten. Einige Nischenmärkte werden zudem noch nicht von ETFs abgedeckt.

Somit lässt es sich pauschal nicht sagen, dass passive ETFs oder aktiv gemanagte Fonds besser seien. Vielmehr hängt es von dem Markt, der Region und anderen Faktoren ab. Während in der Boom-Phase passive ETFs auf globale und nordamerikanische Indizes hinsichtlich der starken Entwicklung der Technologieunternehmen oftmals besser als aktive Aktienfonds waren, kann sich dies in einer Baisse-Phase auch wieder umkehren. Dies könnte zudem auch dann zutreffen, falls zukünftig Daten anders behandelt und es so für die in diesen Indizes stark gewichteten Plattform-Unternehmen schwieriger werden würde, Erträge zu generieren.

Generell sollte man unserer Meinung nach daher auf ein diversifiziertes Portfolio achten, indem ein Mix zwischen passiven ETFs und Aktienfonds mit guten aktiven Fondsmanagern besteht. Je nach Markt, Region, Branche, Anlagestil (Value vs. Growth Investing) etc. kann man hier entsprechend diversifizieren. Auch sollte man unseres Erachtens bei der Investition in globale Märkte im Hinterkopf haben, dass diese hauptsächlich aus amerikanischen Unternehmen bestehen und man somit größtenteils in US-Dollar investiert ist. Eine steigende Kursentwicklung amerikanischer Unternehmen verbunden mit einem steigenden Euro gegenüber dem US-Dollar könnte somit zu einem Nullsummenspiel führen. Eine negative Kursentwicklung amerikanischer Unternehmen würde durch einen starken Euro sogar verstärkt werden.
Bei einer Investition in einen passiven ETF auf den MSCI Emerging Markets sollte man sich bspw. bewusst sein, dass man hier wegen der Gewichtung bezüglich der Marktkapitalisierung hauptsächlich in China investiert ist.

Demzufolge ist der Inhalt und eine vernünftige Diversifikation eines Portfolios aus unserer Sicht wichtiger als eine pauschale Unterscheidung zwischen passivem ETF und aktivem Aktienfonds.

 

 

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Bildquelle: Pexels.com

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